{"id":270,"date":"2013-10-07T15:39:29","date_gmt":"2013-10-07T15:39:29","guid":{"rendered":"http:\/\/ib-teni.at\/?p=270"},"modified":"2023-03-20T16:52:42","modified_gmt":"2023-03-20T16:52:42","slug":"nachhaltigkeit","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/ib-teni.at\/?p=270","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit"},"content":{"rendered":"<p><b><a href=\"http:\/\/www.netzwerk-oese.de\/index.php\/wachstum\/97-nachhaltigkeit-und-milchmaedchenrechnungen\">Nachhaltigkeit: Realit\u00e4t jenseits von \u201eMilchm\u00e4dchenrechnungen und Sch\u00f6nwetter-Statistiken\u201c <\/a><\/b><\/p>\n<p><b>Sch\u00f6n-rechnen<\/b><br \/>\nMilchm\u00e4dchenrechnungen und Sch\u00f6nwetterstatistiken geh\u00f6ren zum festen Bestandteil der Nachhaltigkeitsdebatte. Oft klaffen Welten zwischen vermeintlich erzielten Fortschritten\/Einsparungen und der Realit\u00e4t. Selbst Umweltverb\u00e4nde rechnen sich die Wirklichkeit mit theoretisch erzielbaren Einsparungen beim Ressourcenverbrauch sch\u00f6n. Wie viele Tonnen Kohlendioxid sind hier nicht schon eingespart worden? So wichtig ein Umdenken <b><i>\u2013 und Umsetzen! &#8211;<\/i><\/b> \u00a0in diesem Bereich ist, aber die Realit\u00e4t sieht bislang eher mager aus.<\/p>\n<p><b>Rebound-Effekt als \u201eSt\u00f6rfaktor\u201c<\/b><br \/>\nGravierend ist ein Faktor, der sich weitgehend jeder soliden Berechnung entzieht. Die Wissenschaft bezeichnet ihn als \u201aRebound-Effekt\u2018. Er besagt, dass sich Einsparungen durch technische Innovationen \u201agesetzm\u00e4\u00dfig\u2018 \u00fcber gegenl\u00e4ufige Entwicklungen erheblich verringern. So nahm der CO2-Aussto\u00df in Deutschland bei der Stromerzeugung zwischen 2000 und 2010 nicht um die erwarteten 10 Prozent ab, sondern sank nur um magere 3,9 Prozent. Der Grund: Stromverbrauch und Stromexporte legten gleichfalls zu. Der Pro-Kopf-Aussto\u00df sank zwischen 1995 und 2005 zwar leicht von 10,5 auf 9,7 Tonnen. Bezieht man jedoch die gestiegenen Importe von Konsumartikeln ein, ist er in Wirklichkeit angestiegen. Stattgefunden hat eine Verlagerung ins Ausland.<br \/>\n<b><i>Die Feststellung einer vom Wuppertal Institut ver\u00f6ffentlichten Arbeit zu den Auswirkungen des Rebound-Effektes auf die Klimaziele ist ern\u00fcchternd: Die Verminderung der Treibhausgasemissionen um 80 Prozent bis 2050 allein durch Technik sei vor diesem Hintergrund \u201eunerreichbar\u201c. H\u00f6chstens die H\u00e4lfte des \u201etheoretischen Einsparpotenzials\u201c lie\u00dfe sich in der Praxis erreichen. \u201eMitunter auch weniger\u201c.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Selbst die Wissenschaft hat gro\u00dfe Schwierigkeiten den Effekt zu berechnen und ihn in ihre Prognosen einzubeziehen. Auch der Weltklimarat (IPCC) ignoriert das Ph\u00e4nomen, obwohl es bereits 1865 erstmals untersucht wurde.<\/p>\n<p><b>Inkonsequentes Konsumverhalten<\/b><br \/>\nFinanzielle Einsparungen f\u00fchren dazu, dass \u201amehr vom Gleichen\u2018 verbraucht wird \u2013 das erscheint logisch. Der schrittweise R\u00fcckzug energiefressender Gl\u00fchbirnen zugunsten energiesparender Leuchtmittel verringert unbestritten den Energieverbrauch. Doch ist die Versuchung gro\u00df, mehr Lampen zu benutzen oder diese l\u00e4nger brennen zu lassen. M\u00f6gliche Einspareffekte werden erheblich gemindert:<\/p>\n<p>So hat die Rheinbahn am Aachener Platz die bislang sp\u00e4rliche Beleuchtung durch insgesamt 14 \u201aenergiesparende\u2018 Lichts\u00e4ulen ersetzt. Die meisten d\u00fcrften den Effekt auch aus ihren eigenen vier W\u00e4nden kennen! Auch auf anderem Gebiet: Bei den Heizkosten neutralisieren sich W\u00e4rmed\u00e4mmung und gr\u00f6\u00dferer Wohnraum. Personenbezogen blieb der Raumw\u00e4rmebedarf seit 1970 konstant!<br \/>\nAuch die Psychologie macht uns einen Strich durch die Rechnung. Hat die Werbung den Umweltschutz als Verkaufsargument l\u00e4ngst entdeckt, spielen sich auch in unserem Kopf die merkw\u00fcrdigsten Dinge ab. Beispiel M\u00fcll: So stieg die Recyclingquote innerhalb von elf Jahren zwar um 13 Prozent (1994-2005), gleichzeitig wurde die M\u00fcllvermeidung aber nahezu eingestellt. Der M\u00fcllberg selbst schrumpfte um zu vernachl\u00e4ssigende zwei Prozent. \u00d6kologisch bewusst nutzen wir die Gelbe Tonne. Doch der Plastikm\u00fcll in deren Bauch wuchs derweil um mehr als 70 Prozent. Bei gleichbleibend niedriger Recyclingquote von 50 Prozent. Wie wir mit gutem Gewissen h\u00e4ufig sogar st\u00e4rker zur Umweltverschmutzung beitragen, zeigt eine Untersuchung aus Japan: Autofahrer, die sich ein Hybridfahrzeug angeschafft hatten legten anschlie\u00dfend das 1,6fache an Kilometern zur\u00fcck und verbrauchten somit mehr Benzin als vorher!<\/p>\n<p><b>Denkstrukturen \u00fcberholen<\/b><br \/>\nSchlechte Aussichten f\u00fcr die Vorstellung, wirtschaftliches Wachstum und Naturverbrauch lie\u00dfen sich entkoppeln. Nichts deute darauf hin, dass die Menschheit den Treibhausgas-Aussto\u00df in den Griff bekomme, warnt die Weltbank vor den katastrophalen Folgen der Erderw\u00e4rmung. <b>Ohne grundlegende Ver\u00e4nderungen unserer Konsumgesellschaft l\u00e4sst sich das Dilemma nicht l\u00f6sen.<\/b><\/p>\n<p>Ohnehin grenzt es an Ideologie davon auszugehen, technische Entwicklungen seien Voraussetzung f\u00fcr eine nachhaltige Gesellschaft. Zehntausende von Jahren waren wir, von einzelnen Ausrei\u00dfern abgesehen, sehr wohl in der Lage nachhaltig im Kontext mit der Natur zu leben. Erst die Industrialisierung hat uns den Fortschritt erm\u00f6glicht, dass wir nunmehr sogar in der Lage sind, unsere eigenen Existenzbedingungen auf diesem Planeten zu untergraben. \u201eMan kann ein Problem nicht mit den gleichen Denkstrukturen l\u00f6sen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben.\u201c Albert Einstein mahnt, uns nicht l\u00e4nger mit technischen Milchm\u00e4dchenrechnungen zu begn\u00fcgen, die nicht aufgehen, sondern neue Wege zu suchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><i>Quelle:<br \/>\nNetzwerk \u00d6ko Soziale Entwicklung, Autor J\u00f6rn Wiertz.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltigkeit: Realit\u00e4t jenseits von \u201eMilchm\u00e4dchenrechnungen und Sch\u00f6nwetter-Statistiken\u201c Sch\u00f6n-rechnen Milchm\u00e4dchenrechnungen und Sch\u00f6nwetterstatistiken geh\u00f6ren zum festen Bestandteil der Nachhaltigkeitsdebatte. Oft klaffen Welten zwischen vermeintlich erzielten Fortschritten\/Einsparungen und der Realit\u00e4t. 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