Laufen

Die natürlichste, ursprünglichste und umweltschonendste Fortbewegungsart ist das Laufen. Auch wenn das Viele in unserer technisch hochgerüsteten und entkörperlichten Gesellschaft nicht glauben wollen – aber das Laufen liegt uns im Blut.

Bevor unsere Vorfahren  noch auf hohlen Baumstämmen trommelten, einfache Werkzeuge anfertigten oder die Wände ihrer Höhlen mit Zeichnungen verzierten, konnten (mussten) sie laufen.  Unsere Vorfahren waren beinahe ständig in Bewegung – Jagen, sammeln, flüchten, auf der Suche nach Brennholz und Baumaterialien  – dabei sind flinke und vor allem ausdauernde Beine gefragt. Unser ganzer Körperbau ist auf das Laufen langer Distanzen ausgelegt. Zugegeben, wenn man Otto Normalverbraucher so betrachtet, kommen einem leise Zweifel an dieser Aussage. Und doch ist es so. Bis vor einigen Jahren gab es beim Volk der San (Buschmänner) in der Kalahari noch Männer, die eine Gazelle bei der Jagd so lange verfolgten (laufend wohlgemerkt!), bis diese vor Erschöpfung zusammenbrach und somit eine leichte Beute war. Wie ist das möglich ? Wie kann einer der langsamsten Läufer im Tierreich (der Mensch) ein so schnelles Tier wie eine Gazelle zu Tode hetzen ?

Des Rätsels Lösung lautet: Temperatur! Eine Gazelle kann nicht schwitzen. Um ihren Körper abzukühlen, kann sie zwei Dinge tun, hecheln (wie es auch Hunde machen) und/oder ruhig stehenbleiben und sich ein schattiges Plätzchen suchen. Wenn der/die Verfolger die Gazelle bei einer Hetzjagd nicht zur Ruhe kommen lassen, steigt die Temperatur in ihrem Körper immer weiter an, bis sie schließlich kollabiert. Es war also für unsere Vorfahren nicht notwendig, ein Beutetier nach wenigen Minuten einzuholen, es reichte, wenn sie ständig im Blickfeld ihrer potentiellen Beute waren und diesem keine Verschnaufpause gönnten.  So eine Hetzjagd dauerte im Schnitt 3 bis 5 Stunden. 3 bis 5 Stunden – das ist auch genau der Zeitraum, den die meisten Läufer bei einem Marathon benötigen (Sehr zum Leidwesen vieler Couchpotatoes sind Läufer also keine fehlgeleiteten Irren, sondern leben nur die ihnen angeborene Fähigkeit zum Laufen aus).

Stellt sich hier natürlich die Frage: Wenn laufen so natürlich und gesund ist, warum gibt es dann so viele verletzte Läufer ? Trotz mittlerweile Top-Ausrüstung, Ernährung, Trainingsprogrammen, etc. Jeder Läufer, der im Laufe seines „Läuferlebens“ nicht über Beschwerden seiner Beine jammert, ist heutzutage nicht normal.  Immer ausgefeiltere, besser gedämpfte Schuhe müssen es sein – die Verletzungen nehmen jedoch nicht ab, sondern zu. Die Wahrheit ist, je besser (teurer) der Schuh, desto schlechter für den Fuß. Unsere Beine sind gebaut für harte Belastungen – und nicht für super-soft-gedämpfte Schuhe. Erst der moderne Laufschuh ermöglicht es, mit der Ferse zuerst auf den Untergrund aufzukommen – und nicht mit dem Mittelfuß oder Ballen, wie es bei Naturvölkern üblich ist. Dazu noch die Ruhigstellung des Fußes und fertig sind die Zutaten für die nächste Verletzung.

Was für alle unsere Körperteile gilt, gilt auch für unsere Beine: Stützt man einen Körperteil, wird er schwächer, belastet man einen Körperteil, wird er stärker. Das Läufer aus Kenia und Äthiopien bei allen Marathonläufen immer zu den  Favoriten zählen, hat – neben einigen anderen – einen wichtigen Grund.  Sie besitzen keine Laufschuhe und sind in ihrer Kinder- und Jugendzeit meist barfuß unterwegs. Nicht umsonst empfehlen viele Lauftrainer ihren Athleten Barfußtrainings. Und auch die Laufschuhindustrie hat mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt. Die mittlerweile doch recht große Anzahl an „Barfußlaufschuhen“  stimmt mich zuversichtlich, daß wir uns auf dem richtigen Weg befinden.

Wer Interesse an weiterführenden Informationen hat, dem empfehle ich das Buch „Born to run“ von Christopher McDougall.

Dem Zitat von Emil Zatopek ist nichts hinzuzufügen:

„Fisch schwimmt, Vogel fliegt, Mensch läuft.“

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