Polystyrol als Wärmedämmverbundsystem – eine nachhaltige Lösung ?

Die hochgelobten und fast flächendeckend eingesetzten Wärmedämmverbundsysteme aus Polystyrol sind lt. den Herstellern “die Lösung” für den Bereich Wärmedämmung, Nachhaltigkeit sowie Geld- und Energieeinsparung. Doch neue (und teilweise auch schon länger bekannte) Ergebnisse widersprechen diesen Angaben. Betrachtet man die Polystyrol-WDVS umfassend, ergibt sich ein etwas anderes Bild, als man uns glauben machen möchte.

Zur Herstellung von einem Kilo Polystyrol benötigt man ungefähr fünf Kilo Erdöl. Das wird dann an Hauswände geklebt, um (Heiz-) Öl zu sparen.

Die Dämmplatten und der Außenputz sind mit giftigen Algiziden behandelt, um die Wände vor Algen zu schützen. Diese töten die unerwünschten Lebewesen in und an den Wänden ab. Doch sie werden mit der Zeit ausgewaschen, sickern in den Boden ein und/oder gelangen in die Kanalisation (die Belastung unserer Gewässer spricht eine deutliche Sprache). Und wenn die Chemikalien gänzlich ausgewaschen wurden, beginnen Algen und Pilze zu wachsen. Das ist vermutlich recht bald nach Ablauf der vorgeschriebenen Gewährleistungsfristen der Fall (ein Schelm, der Böses dabei denkt).
Auch die Lebensdauer der Wärmedämmverbundsysteme ist kurz, ihre Entsorgung problematisch (Sondermüll!). Architekt Christoph Mäckler, Professor für Städtebau an der TU Dortmund, findet deutliche Worte: “Ich halte es einfach für unverantwortlich, dass wir solche Systeme heute einsetzen, wohl wissend, dass sie als Sondermüll entsorgt werden müssen, und zwar nicht von uns, sondern von unseren Kindern und Kindeskindern. Wir schieben die Probleme, die wir heute haben, auf die nächsten Generationen. Das ist nicht fair.

Zu denken geben sollte einem auch die Tatsache, daß die Außenwände nur für etwa 15 Prozent der Energieverluste eines unsanierten Hauses verantwortlich sind.

Es werden auch schon erste Stimmen laut, im Neubausektor Wärmedämmverbundsysteme zu verbieten, da es hier bautechnisch bessere Lösungen gibt.
Anmerkung: In den USA ist die Verwendung von traditionellen Wärmedämmverbundsystemen (Konventionell wasserdicht hydrophobiertes Kunstharzputz-WDVS mit versiegelten Anschlußfugen an andere Bauteile)  auf Holzständerbauwerken im Wohnungsbau durch zwei große Bauordnungs-Behörden (BOCA – Building Officials Code Administrators International und ICBO – International Council of Building Officials) nicht erlaubt. Die “Maryland Casualty Insurance” – eine der größten US-Gebäudeversicherungen, hat sich entschlossen, WDVS-Häuser wegen ihrer Schadensanfälligkeit überhaupt nicht mehr zu versichern.

Und zur Problematik der beigefügten Flammschutzmittel in Polystyroldämmplatten verweise ich auf die nachfolgende Presse-Information:

Presse-Information 23/2013 vom 08.05.2013: Weltweites „Aus“ für Flammschutzmittel HBCD

Verbot wirkt nach einem Jahr Übergangsfrist

Für das Flammschutzmittel HBCD wird ein weltweites Herstellungs- und Anwendungsverbot eingeführt. Der Beschluss erfolgt im Rahmen der UN-Chemikalienkonferenzen in Genf. Der Stoff wird in der Stockholmer Konvention über persistente organische Schadstoffe, kurz POPs, aufgenommen. HBCD steht für Hexabromcyclododecan. Bislang wurde der Stoff hauptsächlich in Dämmplatten eingesetzt. Für diesen Einsatzbereich gelten vorübergehende Ausnahmeregeln. Ersatzstoffe sind aber bereits vorhanden. Außerdem lässt sich HBCD durch den Einsatz alternativer Dämmmaterialien wie Mineralwolle vermeiden. Das Umweltbundesamt (UBA) begrüßt die Entscheidung. Jochen Flasbarth, Präsident des UBA: „Es ist ein großer Erfolg, dass das für die Umwelt schädliche Flammschutzmittel HBCD nun weltweit nicht mehr produziert und verwendet werden darf. Das ist nur konsequent. Die EU hat den Stoff bereits unter REACH als besonders besorgniserregend eingestuft.“

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